
Medikamentenrückstände im Trinkwasser: Was tun gegen Arzneimittelrückstände im Leitungswasser?
Das Trinkwasser aus der Leitung ist laut deutscher Trinkwasserverordnung bedenkenlos für Erwachsende, Kinder und Haustiere trinkbar. Doch gerade in den letzten Jahren wird besonders auf Social-Media aber auch in traditionellen Medien von "Medikamentenrückstände in unserem Trinkwasser" berichtet. Müssen wir uns wirklich sorgen beim Trinken von Leitungswasser machen, oder ist das wieder nur Angstmacherei? Wir klären auf, und geben einfache Lösungen an die Hand, wie Sie Ihr Trinkwasser frei von Schadstoffen machen kann.
Sind wirklich Arzneimittelrückstände in unserem Trinkwasser?
Jährlich werden in Deutschland mittlerweile mehr als 30.000 Tonnen an Arzneimittel umgesetzt.
Über 400 unterschiedliche Arzneimittelwirkstoffe wurden bereits in deutschen Gewässern gefunden. Die bedenkniserregensten darunter sind wahrscheinlich, Hormone wie die aus der Antibabypille oder Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac.
Wie gelangen Medikamentenrückstände in unser Trinkwasser?
Rückstände von Medikamenten gelangen auf unterschiedlichen Wegen in unser Wasser.
Arzneimittelrückstände aus der Medizin
Primär gelangen Medikamente durch Abwasser in unseren Wasserkreislauf. Der menschliche Körper kann nicht alle Wirkstoffe von Medikamenten vollständig abbauen. Der Großteil der Arzneimittel gelangt also über menschliche Ausscheidung oder unvollständige Aufnahme vom Körper in unser Wasser.
Ein ebenso erhebliches Problem ist die Entsorgung von Humanarzneimitteln. Besonders in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen werden Arzneimittel häufig einfach über die Toilette entsorgt. Aber auch privat Verbraucher sind sich häufig nicht sicher, wie genau bestimmte Medikamente entsorgt werden müssen. Flüssige Arzneimittel landen dadurch häufig im Waschbecken und gelangen so in unser Trinkwasser.
Laut deutschem Umweltbundesamt stammen rund 70% von unserem Trinkwasser aus Grundwasser. Somit stellt dieses die wichtigste Trinkwasserressource Deutschlands da.
Unser Trinkwasser wird zwar durchgehend in modernsten Kläranlagen gereinigt, dennoch sind diese nicht in der Lage, alle Medikamentenrückstände komplett zu entfernen.

Diverse Salben und Cremes werden beispielsweise nicht komplett von unserer Haut aufgenommen. Diese Rückstände gelangen anschließend durch abduschen oder das waschen von Klamotten wieder in unser Wasser. Der Wirkstoff Diclofenac ist ein beliebtes Schmerzmittel (Analgetikum), welches beispielsweise häufig in Schmerzgelen (z.B Voltaren) enthalten ist, kann von den Kläranlagen nur zu 60-80% aus dem Wasser entfernt werden.
Arzneimittelrückstände und Pestizide aus der Landwirtschaft und Vetinärmedizin
Medikamente gelangen auch durch die Landwirtschaft & Vetinärmedizin in unser Trinkwasser. Hauptgründe sind Düngermittel und tierische Arzneimittel.
Verwendung von Tierarzneimitteln
Schmerz und entzündungshemmende Mittel wie Antibiotika oder Diclofenac werden insbesondere in der Tierhaltung eingesetzt, um den Tieren die Schmerzen zu nehmen und Krankheiten oder Entzündungen vorzubeugen.
Gleich wie bei uns Menschen, können die Tiere diese Substanzen aber nicht zu 100% abbauen. Infolgedessen gelangen diese über den Tierkot und den Urin über Boden oder Gewässer in unseren Wasserkreislauf.
Verwendung von Antiparasitika und Düngemittel
In der Landwirtschaft werden ebenso pflanzliche Arzneimittel wie Pestizide oder Gülle und Mist für die Bekämpfung von Schädlingen verwendet.
Diese Stoffe gelangen durch unsachgemäße Anwendung der Landwirte, Auswaschung durch Regen und Bewässerungssystemen, Verdunstung oder Abdrift (Wind) immer häufiger in umliegende Gewässer.
Welche Arten von Medikamenten wurden im Leitungswasser nachgewiesen?
Wie bereits erwähnt wurden in unserem Trinkwasser erhebliche Teile von Arzneimittelrückständen bzw. Medikamentenrückständen nachgewiesen. Einige davon sind:
- Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac
- Rückstände der Antibabypille (z.B Ethinylestradiol, Gestagene...)
- Antibiotika wie Ciprofloxacin und Penicillin
- Psychopharmaka z.B Diazepam oder Paroxetin
- Kontrastmittel von Röntgenuntersuchungen
- Betablocker (Metoprolol) für Behandlung von Bluthochdruck und Herzerkrankungen
Die Konzentration der Rückstände von Arzneimitteln im Trinkwasser liegt meist im Nanogramm bis Mikrogramm pro Liter (ng/L bis µg/L) Bereich. Das gilt zwar als sehr gering, dennoch können auch kleine Mengen bei langfristigem Konsum negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit sein.
Wie beeinflussen Medikamente im Trinkwasser unsere Gesundheit
Obwohl die Konzentration durch die unterschiedlichen Reinigungsstufen unserer Wasserversorger objektiv gesehen gering sind, können die regelmäßige Einnahme durch das Trinken von Leitungswasser und vor allem die Mischung dieser unterschiedlichen Stoffe langfristig negative Auswirkungen auf unseren Körper haben.
Hormonelle Veränderungen
Besonders besorgt sind die meisten deutschen Leitungswasser-Trinker über Hormone wie die aus der Antibabypille (z. B. Ethinylestradiol) oder andere Synthetische Östrogene im Wasser. Diese Stoffe können die Hormonproduktion im Körper beeinflussen und langfristig sogar zu Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Die langfristige Belastung durch Hormonrückständen könnte vor allem für Ungeborene oder Kleinkinder bedenklich sein. Aktuell gibt es nur eine geringe Studienlage zum Thema Trinkwasser für Babys, Ungeborene und Kleinkinder. Inwiefern und zu welchem Grad Arzneimittelrückstände im Wasser schädlich für diese sind, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt also nicht genau sagen.
Resistenz gegen Antibiotika
Rückstände von Antibiotika wie Ciprofloxacin oder Penicillin im Leitungswasser können nachweisbar zur Entwicklung von höheren Antibiotikaresistenzen beitragen. Dies kann wiederum die zukünftige Behandlung von Bakteriellen Erkrankungen oder Infektionen erschweren.
Unklare Langzeitfolgen
Die Langzeitfolgen von Arzneimittelrückständen in kleinen Mengen im Leitungswasser sind noch nicht vollständig und zuverlässig erforscht. Laut einigen Wissenschaftlern, könnten die geringen Mengen an Medikamenten im Trinkwasser kumuliert über einige Jahre sehr schädlich für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sein.
Wie kann man Medikamentenrückstände und Arzneimittel aus dem Leitungswasser reduzieren?
Jeder kann aktiv im Alltag dafür sorgen, dass weniger Verunreinigung des Trinkwassers durch Medikamentenrückstände entsteht. Hier einige Tipps wie Sie für sauberes Leitungswasser sorgen können:
Wasser professionell testen lassen
Die genaue Konzentration von Medikamentenrückstände im Wasser kann nur mit einem speziellen Test nachgewiesen werden.
Bei dem Anbieter IVARIO können Sie ganz einfach eine Wasserprobe von Ihrem Wasserhahn nehmen und per Post einschicken. Nach einigen Tagen ist der Test abgeschlossen und Sie können Ihre Ergebnisse einsehen.
So können Sie sich sicher sein, das Ihr Trinkwasser bedenkenlos genießbar ist.
Wasser filtern mit Umkehrosmoseanlage
Die zuverlässigste Methode für Trinkwasser aus der Leitung ohne Medikamentenrückstände zu sorgen, ist die Anschaffung einer hochwertigen Umkehrosmoseanlage.
Umkehrosmoseanlagen sind premium Wasserfilter die Ihr Leitungswasser in mehreren Stufen reinigt. Die in den Osmoseanlagen enthaltene
"Osmosemembran" wirkt wie ein extrem feines Sieb und sorgt dafür, dass selbst kleinste gelöste Schadstoffe wie Rückstände von
Antibiotika, Ibuprofen, Diclofenac und vieles mehr zuverlässig aus dem Wasser gefiltert werden.
Übrig bleibt bedenkenlos sauberes Osmosewasser.
Arzneimittel richtig entsorgen
Vermeiden Sie unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten. Insbesondere alte Arzneimittel die lange im Medikamentenschrank lagen und bereits abgelaufen sind, sollte man korrekt entsorgen. Halten Sie sich in jedem Fall an die Entsorgungsempfehlung am Beipackzettel. Wenn Sie nicht sicher sind, wie das Medikament entsorgt werden muss, wenden Sie sich an eine Apotheke. Diese sind zwar seit dem Jahr 2009 nicht mehr verpflichtet Medikamente zum Entsorgen anzunehmen, dennoch wird einem meistens geholfen oder wird aufgeklärt.
Bewusster Umgang mit Arzneimitteln und Medikamenten
Wer bewusst mit der Einnahme von Medikamenten umgeht, sorgt auch für sich und seine Mitmenschen für eine saubereres Wasser. Beispielsweise sollte man darauf achten, beim Auftragen von Schmerzgel, nicht unmittelbar danach zu duschen oder zu baden.
FAQ's zu Medikamentenrückstände im Wasser
Wie kann ich Arzneimittelrückstände aus dem Leitungswasser entfernen?
Es gibt einige Möglichkeiten die unsichtbaren Medikamentenrückstände im Trinkwasser zu entfernen.
In einigen Kläranlagen werden als 4. Reinigungsstufe Ozon und ein Aktivkohlefilter für die zusätzliche Filterung von Medikamenten im Trinkwasser verwendet.
Da diese Stufe aber nur bei den wenigsten Klärwerken implementiert ist, empfiehlt es sich, als Privathaushalt einen geeigneten Wasserfilter für die Entfernung von Arzneimittelrückstände im Trinkwasser zu verwenden.
Einfache Wasserfilter mit Aktivkohle
Aktivkohlefilter wie die von herkömmlichen Wasserfiltern sind in der Lage organische Verunreinigungen die ins Wasser gelangen zu entfernen.

Diese sind beispielsweise effektiv gegen Diclofenac aus Schmerzsalben. Jedoch sind diese nicht in der Lage alle Rückstände der Medikamente effektiv zu filtern.
Einige hydrophile Substanzen bzw. bestimmte Antibiotika werden von einem einfachen Aktivkohlefilter nicht gefiltert.
Osmoseanlagen
Wie bereits erläutert sind hochwertige Osmoseanlagen in der Lage bis zu 99% aller Schadstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Aufgrund der extrem feinen Osmosemembrane werden alle Verunreinigungen wie Medikamentenrückstände, Mikroplastik, Chlor, Schwermetalle, Fluorid etc. effektiv gefiltert.
Mehr über den genauen Filterprozess mittels Umkehrosmose erfährst du in unserem Beitrag -> Wie funktioniert Umkehrosmose bei Trinkwasser.
Sind im Flaschenwasser bzw. Mineralwasser auch Arzneimittelrückstände?
Vielen Menschen ist nicht bekannt, das ein großer Teil vom Flaschenwasser aus dem Supermarkt aus aufbereiteten Grundwasser besteht. Solange dieses Wasser nicht durch spezielle Reinigungsverfahren von a vollständig gereinigt werden, besteht die Möglichkeit, dass selbst im Mineralwasser aus Flaschen eine geringe Konzentration an Medikamenten enthalten ist.